Titelfoto SHBB Journal 2/2017 (Foto: Fotolia Tyler Olson)
08.09.2017

Sofortabschreibung von GWG

Wertgrenze von 410 auf 800 Euro angehoben

Anfang Juni hat der Bundesrat dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zugestimmt, die Wertgrenze für die Sofortabschreibung sogenannter Geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWG) von bisher 410 auf 800 Euro anzuheben. Entgegen der ursprünglichen Diskussion gilt die neue Wertgrenze von 800 Euro nicht bereits in 2017, sondern erst ab 2018.
 
Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten (AK/HK) bis zu 800 Euro ohne Umsatzsteuer, die nach dem 31. Dezember 2017 angeschafft oder hergestellt werden, können Unternehmer nach der neuen Regelung in voller Höhe als Betriebsaufwand beziehungsweise -ausgaben geltend machen. Eine Abschreibung der AK/HK über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ist für GWG nicht zwingend. Stattdessen handelt es sich wie bisher um ein Wahlrecht: Der Unternehmer kann entscheiden, geringwertige Wirtschaftsgüter entweder über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer oder im Jahr der Anschaffung oder Herstellung in voller Höhe abzuschreiben. Durch den Sofortabzug sämtlicher Aufwendungen erhöht sich die Steuerersparnis im Jahr der Anschaffung oder Herstellung – dementsprechend fallen in den Folgejahren aber auch keine gewinnmindernden AfA-Beträge an.
Nicht nur Land- und Forstwirte, Gewerbetreibende und Freiberufler mit Gewinneinkünften können die GWG-Regelung nutzen, sondern auch Vermieter, Arbeitnehmer und alle anderen Steuerpflichtigen mit sogenannten Überschusseinkünften. Die Regelungen für die GWG-Sofortabschreibung gelten für sämtliche Einkunftsarten.
Die Wertobergrenze von bisher 410 Euro und 800 Euro ab 2018 bezieht sich in allen Fällen auf den Netto-Wert der AK/HK, das heißt jeweils ohne Umsatzsteuer. Als GWG-Sofortabzug kann also immer der komplette Kaufpreis inklusive Umsatzsteuer angesetzt werden. Deshalb darf bei Vorliegen einer ordnungsgemäßen Rechnung mit offenem Umsatz- steuerausweis zum Beispiel ein beruflich genutztes Notebook oder ein Bürostuhl maximal 952 Euro (800 Euro zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer) kosten, um in voller Höhe im Jahr des Zugangs als Betriebsausgaben oder Werbungskosten angesetzt werden zu können.
 
Unser Rat
Da die neue Wertobergrenze für GWG erst ab 2018 gilt, ist bei Wirtschaftsgütern, deren Anschaffung oder Herstellung für eine Zeit kurz vor dem Jahreswechsel 2017/2018 geplant ist, zu prüfen, ob es aus steuerlichen Gründen sinnvoll sein kann, die Anschaffung oder Herstellung ins Jahr 2018 zu verschieben.

Vorsteueraufteilung bei gemischt genutzten Gabäuden - SHBB Journal 1/2017 (Foto: Fotolia tbl)
05.02.2017

Vorsteueraufteilung bei gemischt genutzten Gebäuden

Häufiger Streitpunkt mit der Finanzverwaltung

Bei gemischt genutzten Gebäuden werden Vorsteuerbeträge nur für die umsatzsteuerpflichtig genutzten Gebäudeteile erstattet. Kein Vorsteuerabzug wird für Vorleistungen gewährt, die auf eine selbst genutzte oder umsatzsteuerfrei vermietete Wohnung entfallen. Auch Aufwendungen für Gebäudeteile, die für umsatzsteuerfreie Tätigkeiten oder im Rahmen eines umsatzsteuerlich pauschalierenden land- und forstwirtschaftlichen Betriebes genutzt werden, sind vom Einzelvorsteuerabzug ausgeschlossen. Wie bei gemischt genutzten Gebäuden, die teilweise einen Vorsteuerabzug zulassen, teilweise aber nicht, eine Vorsteueraufteilung konkret vorzunehmen ist, wurde jüngst durch den Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil aus August 2016 geklärt.
 
In dem vom BFH zu beurteilenden Sachverhalt wurde um die Höhe des Vorsteuerabzugs aus Baukosten und aus laufenden Kosten für ein gemischt genutztes Wohn- und Geschäftshaus, das sowohl für steuerfreie als auch steuerpflichtige Vermietungsumsätze genutzt wurde, gestritten. In dem Urteilsfall war der Vorsteuerabzug aus Baukosten nur zulässig, soweit die von einem Unternehmer bezogenen Eingangsleistungen, zum Beispiel Baumaterial und Handwerkerleistungen, für steuerpflichtige Ausgangsumsätze verwendet wurden. Die insgesamt angefallenen Vorsteuern mussten daher zwingend aufgeteilt werden. Dazu konnte der Unternehmer die nicht abziehbaren Teilbeträge im Wege einer sachgerechten Schätzung ermitteln. Eine Aufteilung nach dem Verhältnis der voraussichtlichen steuerpflichtigen zu den voraussichtlichen steuerfreien Ausgangsumsätzen nach dem sogenannten Umsatzschlüssel war dabei seit 2004 nur noch nachrangig zulässig.
Bei der Herstellung eines gemischt genutzten Gebäudes kann laut Urteil der BFH-Richter für die Aufteilung der Vorsteuer aus den Baukosten nicht darauf abgestellt werden, welche Aufwendungen in bestimmte Teile des Gebäudes eingehen. Vielmehr kommt es auf die Ver wendungsverhältnisse des gesamten Gebäudes an. Bei der Vorsteueraufteilung ermöglicht deshalb der objektbezogene Flächenschlüssel regelmäßig eine sachgerechte und präzise Berechnung der Höhe des Vorsteuerabzugs. Dieses gilt allerdings nur dann, wenn die verschiedenen Zwecken dienenden Gebäudeflächen miteinander vergleichbar sind. Liegt eine Vergleichbarkeit nicht vor, kommt ein objektbezogener Umsatzschlüssel bei Vermietung oder ein gesamtumsatzbezogener Umsatzschlüssel bei Eigennutzung in Betracht.
Die laufenden Aufwendungen aus der Gebäudenutzung, wie zum Beispiel regelmäßige Unterhaltungs- und Reparaturaufwendungen, Betriebs- und Verwaltungskosten oder ähnliches, müssen den einzelnen steuerfreien beziehungsweise steuerpflichtigen Ausgangsumsätzen hingegen direkt zugeordnet werden. Sofern eine Zuordnung zu einem steuerpflichtigen Ausgangsumsatz möglich ist, ergibt sich hieraus auch das Recht zum vollen Vorsteuerabzug. Fällt laufender Aufwand für steuerpflichtige und steuerfreie Ausgangsumsätze gemeinsam an, beispielsweise bei einer Reparatur der gesamten Fassade, ist der jeweilige steuerpflichtige beziehungsweise steuerfreie Anteil sachgerecht zu schätzen.
 
Unser Rat
Der für den Vorsteuerabzug vom BFH festgelegte Grundsatz des Flächenschlüssels dürfte in der Praxis in den allermeisten Fällen ins Leere laufen. Denn sobald die Flächen in einem Gebäude nicht vergleichbar sind, insbesondere aufgrund unterschiedlicher Ausstattungsmerkmale, kommt es für die Vorsteueraufteilung zur Anwendung eines Umsatzschlüssels. Diese Aufteilungsmethode wird in vielen Fällen für die betroffenen Unternehmer durchaus vorteilhaft sein, wenn sie zu einem höheren Vorsteuerabzug führt.
 


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